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Heiliger Gral

"Halluzinationen" von Heino Basse
"Der Heilige Gral steht im Raum der Wahrheit.Diesen stillen Raum kann man nur nackt betreten und man darf nichts anfassen!" In der Mythologie steht der Heilige Gral für die Quelle ewiger Jugend und ewigen Lebens. Wir sehen in ihm die Seele und damit den Quell unserer Authenzität und selbstmotivierten Lebenskraft. Erst wenn wir aus dieser Quelle schöpfen, "unseren" Heiligen Gral gefunden haben und mit ihm verbunden sind, sind wir echt. Okay, wer ist das schon komplett? Es lohnt sich dennoch, in diese Richtung zu gehen. Was heißt "stiller Raum der Wahrheit"? Stille bedeutet für uns die Abwesenheit von Bewertung. Im Sein, in der Existenz sind die Dinge, wie sie sind. Niemand will unsere Bewertung von gut oder schlecht (oder gar böse) im Raum der Wahrheit wissen. Gewöhnen wir es uns also ab. Beim Bewerten sollten wir uns ertappen. Denn Bewertung verzerrt die Wahrheit, hilft nicht weiter und ist unbrauchbar. "Förderlich" oder "hinderlich" in Bezug auf ein Ziel, lassen wir uns noch gefallen, aber dann ist auch Ende mit dem Notenverteilen für Tatsachen. Nur wer vorurteilsfrei die Dinge sieht, kann kreativ den Umgang damit gestalten.
Was heißt "nackt betreten"? Wir machen uns leider viel vor. Je nach Stimmung machen wir uns gerne größer oder kleiner als wir sind. Das hängt auch davon ab, welche Richtung uns in unseren Ursprungsfamilien mehr gebracht hat. Wir tragen Masken von Wichtigkeit, Bedeutung oder Hilflosigkeit und Unvermögen. Hinter Fassaden von Unabhängigkeit und Gelassenheit verbergen wir tiefe Sehnsucht nach Liebe und Kontakt. Diese Aufzählung könnte so schillernd ausfallen, wie es Menschen gibt. Wir sind da nicht über einen Kamm zu scheren und darum ist es auch gefährlich von sich auf andere zu schließen. In den Raum der Wahrheit kann ich nur gelangen, wenn ich zumindest bereit bin, mir Versteckspiele, Manipulation, Schuldschieberei auf andere und andere Mätzchen erstmal vor mir selbst verkneife. All das muss ich erstmal sehen, loslassen wollen und ich muss bereit sein, mich zu zeigen und mich selbst zu sehen mit allen Stärken und Schwächen. Dieser Prozess ist mit Gefühlen verbunden und schwierig auszuhalten, wenn man das Fühlen vernachlässigt hat. Mir hilft das Bewusstsein, dass Gefühle näher an der Wahrheit sind als Gedanken. Und vergesst im Raum der Wahrheit das Atmen nicht. Luftanhalten gilt nicht. Nur Mut!
Was heißt "nichts anfassen"? Lasst uns geschmeidig bleiben in den Hüften. Was wissen wir schon über Seele, Göttlichkeit und deren Gesetzmäßigkeiten? Lasst uns mit dem "Flow", dem Tao, dem Fluss des Lebens, gehen und von Augenblick zu Augenblick die Wahrheit erkennen, so gut es geht. Wir gehen davon aus, dass Gott auch noch lernt und sich entwickelt. Darum: locker bleiben, Muster, Regeln und Konzepte vermeiden. Was gestern gut und richtig war, muss heute gar nicht dran sein. Hier und Jetzt spielt die Musik.
Dieser Weg ist schwierig und gegen unsere Gewohnheiten, Wir scheitern auch und stehen oft im Wald des Unverständnisses, doch wir raffen uns immer wieder auf und stolpern weiter durchs Unterholz. Wir wollen nichts anderes mehr. Wir wünschen Euch für diesen oder euren Weg viel Mut, Ausdauer und Erfolg!
 "Seelengewebe" von Heino Basse
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